Aufgewühlt und stürmisch, Wellen schlagen einem ins Gesicht und der Wind bläst, dann ist es wieder ruhig und flach, nur leichte Wogen auf dem Wasser, kein Wölkchen am Himmel, fast langweilig, bis sich der nächste Swell ankündigt ...
Life is a Beach.
Noch nie habe ich so unvorbereitet eine Reise angetreten. Also nicht, dass ich normalerweise meine Trips durchplane ... meistens weiß ich ja nie so recht, worauf ich mich einlasse. Aber diesmal ist es irgendwie ganz merkwürdig. Obwohl ich es mir so sehr vorgenommen habe, vor dem nächsten Surftrip zu trainieren wie verrückt, bin ich in der schlechtesten Form meines Lebens. Und wenn die Wellenvorhersage stimmt, werde ich an den ersten Tagen auch nicht geschont.
Dazu kommt, dass ein Surfer, den ich vor einem Jahr in Sri Lanka kennen gelernt habe, dort kürzlich tödlich verunglückt ist. Keiner weiß, was passiert ist ... nach einer gesurften, ungefähr kopfhohen Welle, schwamm er reglos im Wasser. Ohne Schrammen von Riff oder Board. Die Wiederbelebung am Strand war erfolglos.
Aber es ist nicht nur das. Ich fühle mich einfach allgemein unvorbereitet, kann's nicht wirklich beschreiben. Vielleicht verfliegt das Gefühl am Flughafen. Ja, wahrscheinlich tut es das.
Es liegt sicher daran, dass ich so hohe Erwartungen an den Urlaub habe. Sportliche natürlich, aber auch persönliche - wie ich ja bereits angedeutet habe. Ich möchte die Tage am Meer nutzen, um mir über ein paar Dinge klar zu werden. Auf der einen Seite glaube ich, dass mir das gelingen wird, auf der anderen Seite befürchte ich aber, dass ich kein Stück "schlauer" bin als vorher, wenn ich zurück komme. Doch das sind schon wieder viel zu viele unsinnige Gedanken. Ich glaube, man muss mich einfach mal ganz doll schütteln. Spätestens die Wellen werden das übernehmen.
Auf jeden Fall ist der Rucksack gepackt. Mit - man will's kaum glauben - zwei Paar Schuhen. FlipFlops, of course. Sneakers für den Flug und zwei FlipFlops sollten reichen. Damit kann ich zur Not auch Samba tanzen, brasilianische Männer treten einem sicher nicht auf die Füße und sind größenmäßig vermutlich eh nicht High-Heel-kompatibel...
So, der letzte Absatz stimmt mich jetzt doch irgendwie urlaubsmäßig. Juhu!
Und jetzt gibt's "Underwater Love" auf die Ohren, hat ja schließlich auch portugiesische Passagen.
Achso, weil hier immer wieder Gerüchte auftauchen, von wegen ich würde live vom Strand twittern, bloggen etc. .... NOPE. 18 Tage lang werde ich nur wellen surfen, nicht im Netz. Aber wenn's klappt, kann man auf Twitter und Facebook meinen "Sky Status" verfolgen, also lesen, wann ich wo gelandet bin.
Eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, heute mal was mit Fleisch zu kochen. Muss ja auch mal sein. Also hab ich ein Rezept mit Kalbsmedaillons raus gepickt.
Aber nix da. Denn Dienstag Feierabend um 19:30 gibt's nichts dergleichen mehr zu kaufen. Frechheit.
Also bin ich auf Hähnchen umgestiegen.
Und ich glaube, das war auch die richtige Entscheidung. Irgendwie kann ich mir Kalb in diesem Rezept nicht wirklich vorstellen. Naja, zumindest nicht in der Art, wie ich es umgestaltet habe
Rausgekommen ist ein sehr leckeres Hähnchen auf Zucchini-Spinat-Püree mit scharfer Mango-Chili-Soße:
Hmmm, auf dem Foto sieht's irgendwie weniger appetitlich aus. Müsst ihr mir jetzt einfach mal so glauben
Letzten Mittwoch habe ich mir überlegt, spontan über's Wochenende das Land zu verlassen. Da alle partywütigen Freunde irgendwie ausgeflogen sind und ich mich selbst davor bewahren musste, etwas Dummes zu tun (die Wohnung pink streichen oder die Haare kurz abschneiden lassen), hab ich dann spontan am Donnerstag ein Wellness-Wochenende in Polen an der Ostsee gebucht.
So ging's am Freitag nach der Arbeit also auf nach Międzyzdroje. Gar nicht so einfach ohne Navi und mit ausgedrucktem Google-Maps-Routenplaner, den man a) nachts alleine im Auto nicht mehr wirklich lesen kann und der b) noch dazu lügt.
Ich hab's aber geschafft und was am ersten Tag so los war, hab ich bereits geschrieben. Hier noch ein paar Eindrücke:
Heute hatte ich dann nochmal zwei schöne Beauty-Behandlungen. Jetzt seh ich nicht nur 10 Jahre jünger aus, sondern fühle mich auch so an
Wenn ich schon mal an der Ostsee bin, will ich noch ein bisschen mehr Meer sehen, dachte ich mir. Darum habe ich beschlossen, nicht den gleichen Weg zurück nach Berlin zu fahren, sondern einen Abstecher nach Heringsdorf und Usedom zu machen.
Leider brachte eine Vollsperrung wegen eines ziemlich fiesen Unfalls vor Świnoujście meinen (eigentlich sowieso nicht vorhandenen) Zeitplan etwas durcheinander. Aber als ich das ausgebrannte Auto im Straßengraben gesehen habe, war ich dankbar, nicht 15 Minuten vorher losgefahren zu sein. Lieber im Stau stehen als selber im Graben liegen!
In Świnoujście selbst wurde ich erstmal schön ausgelacht. Google Maps hat mich nämlich mal wieder verar***. Aber jetzt mal ehrlich, das sieht doch so aus, als würde man eine Brücke überqueren, oder?
Noch dazu, weil nichts weiter da stand. Also hab ich in Świnoujście verzweifelt eine Brücke gesucht und wurde wie gesagt von lustigen Polen, die weder Englisch noch Deutsch sprachen, mich aber sicher genau verstanden haben, ausgelacht. Die Brückenidee fanden sie wohl ziemlich albern.
Nach einer gefühlten Ewigkeit hab ich dann begriffen, dass ich die kostenlose (!) Fähre benutzen muss, um ans andere Ufer zu kommen.
Zwischen all den grauen und schwarzen Autos fiel mein roter Schnuckel richtig auf
Auch auf der anderen Seite kannte der Routenplaner nur andere Straßennamen, als es vor Ort tatsächlich gab, also hab ich beschlossen, einem Auto mit deutschem Kennzeichen OVP zu folgen. Keine gute Idee, wie sich später auf dem Parkplatz des örtlichen Krankenhauses herausstellte ...
Aber egal, ich bin dann doch irgendwann in Heringsdorf angekommen (sehr schnucklig irgendwie, gefällt mir) und hab mir dort erstmal den Zorn zweier Omas zugezogen, die mit meinem gewählten Parkplatz nicht so recht einverstanden waren.
Aber hey,
1. komm ich aus Berlin, da parkt man so und
2. wo um alles in der Welt soll man Sonntag Nachmittag in einem Ostseebad nen anständigen Parkplatz finden???
Also bin ich unbeirrt weiter zum Strand und zur Seebrücke um endlich mal was ordentliches zu Essen (das Essen im Hotel in Polen war ehrlich gesagt miserabel).
Da Unfall und Brückensuche doch mehr Zeit als gedacht verbraucht haben, war ein Abstecher ins Örtchen Usedom nicht mehr drin. Dort hab ich also nur ne kurze Runde gedreht und bin dann weiter gefahren.
Generell muss man sagen, dass es in MeckPomm anscheinend nur eine große Straße, nämlich eine Allee gibt. Eigentlich ganz schön, aber da an jedem dritten Baum Kreuze, Blumen und Kerzen stehen, sollte man dieses Straßenkonzept vielleicht nochmal überdenken....
Nun bin ich zurück in Berlin und sehr froh über das Wochenende am Meer. Genau das hab ich gebraucht. Bisschen runter kommen, nachdenken, mir über ein paar Dinge klar werden ... Ich habe einige Gedanken angestoßen, die mich schon lange wurmen. Wenn es in zwei Wochen nach Brasilien geht, werde ich sie wieder aufgreifen und einige, für mich wichtige Sachen klären. Zumindest habe ich das vor.